Aufgeschnittenes Weißbrot mit dem Label "Laktosefrei"

Die häufigsten Lebensmittelintoleranzen und ihre Ursachen

Wenn Laktose, Fruktose und Histamin den Darm in Aufruhr versetzen

21.06.2024Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Durchfall: Viele Menschen in den Industrienationen sind von Lebensmittelintoleranzen betroffen. Häufig werden die Beschwerden von Laktose, Fruktose und Histamin ausgelöst. Was sind die Ursachen und welche Lebensmittel können Auslöser sein?

Über 20 % der Menschen in den Industrienationen geben an, unter einer Lebensmittelunverträglichkeit zu leiden [1]. Hinter den Beschwerden können jedoch ganz unterschiedliche Ursachen stecken. So sind Allergien als übersteigerte Abwehrreaktionen des körpereigenen Immunsystems in der Lage, unterschiedlichste Symptome auch im Magen-Darm-Bereich hervorzurufen. Ein viel häufigerer Grund für eine Lebensmittelunverträglichkeit ist allerdings eine Lebensmittelintoleranz – also eine nicht-allergische Unverträglichkeitsreaktion aufgrund einer Störung im Stoffwechsel, z. B. durch einen Enzymmangel.

Oft ist es nicht einfach herauszufinden, welche Lebensmittel die Unverträglichkeitsreaktionen auslösen: Die Beschwerden treten mitunter erst Stunden nach dem Verzehr auf und können bis zu mehreren Tagen anhalten. Zu den häufigsten Formen zählen Intoleranzen gegenüber Laktose, Fruktose und Histamin. [1, 2]

Laktoseintoleranz

Eine Laktoseintoleranz äußert sich durch Bauchschmerzen, Blähungen und wässrigen Durchfall nach dem Verzehr von Lebensmitteln, die Laktose (Milchzucker) enthalten. Dazu gehören beispielweise Milch und manche Milchprodukte, wie Joghurt, Quark und Buttermilch. Manchmal ist Laktose auch in verarbeiteten Lebensmitteln zu finden – z. B. in Fertiggerichten, Wurst und Kuchen. [2-4]

Der Grund für die Beschwerden ist ein gestörter Abbau von Laktose im Dünndarm. Normalerweise wird die Laktose dort mithilfe des Enzyms Laktase in Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) gespalten und aufgenommen (resorbiert). Bei einer Laktoseintoleranz ist kein oder nur sehr wenig Enzym im Dünndarm vorhanden. [2-4] Das hat zwei wesentliche Konsequenzen:

  1. Die nicht resorbierten Laktosemengen verursachen durch einen Prozess, den man Osmose nennt, einen Wassereinstrom in den Darm: Der Stuhl wird flüssig – mit der Folge von Durchfall. [2-4]
  2. Sehr hohe Laktosemengen erreichen den Dickdarm. Dort bauen Darmbakterien die Laktose ab. Dabei produzieren sie die Gase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Wasserstoff (H2) – es kommt zu Blähungen und Krämpfen. [2-4]

Fruktoseintoleranz

Eine Fruktoseintoleranz verursacht Magen-Darm-Beschwerden, nachdem man Fruktose (Fruchtzucker) zu sich genommen hat. Fruktose findet sich in Süßungsmitteln wie Honig oder normalem Haushaltszucker sowie in Marmeladen, Limonaden und Backwaren. [3, 4] Sie kommt vor allem auch in Früchten vor, reichlich etwa in Weintrauben, Bananen, Feigen, Ananas oder Kirschen. Auch einige Gemüsesorten wie Karotten, Paprika oder Kohlgemüse enthalten Fruktose. Übrigens sind auch viele Light-Produkte mit Fruktose gesüßt.
Bei einer Fruktose-Intoleranz ist der Transportmechanismus gestört, über den die Fruktose im Dünndarm in das Blut aufgenommen wird. Dadurch gelangen große Mengen an Fruktose in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien abgebaut werden. Ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz werden dabei Gase frei, die dann Beschwerden verursachen. [3, 4]

Gut zu wissen:

  • Der menschliche Darm kann nur begrenzte Mengen an Fruktose aufnehmen. Nimmt man zu viel Fruktose zu sich − d. h. mehr als 25 g pro Tag – können auch ohne Fruktoseintoleranz Magen-Darm-Beschwerden auftreten. [3, 4]
  • Sehr selten kann eine Fruktoseintoleranz auch erblich bedingt sein. In diesem Fall ist nicht der Transportmechanismus gestört, sondern der Abbau der Fruktose. Die erbliche Fruktoseintoleranz tritt meist schon im Säuglingsalter auf und muss unbedingt behandelt werden, da sie zu Vergiftungserscheinungen führen kann. [4]

Histaminintoleranz

Eine Histaminintoleranz kann eine Vielzahl von Beschwerden auslösen [5]:

  • Hautreaktionen, z. B. Jucken, Rötung, Nesselsucht, Schwellungen
  • Verdauungsstörungen, z. B. Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Kreislaufprobleme, z. B. Herzrasen, Blutdruckabfall, Schwindel
  • Atemwegsprobleme, z. B. Fließschnupfen, Niesanfälle
  • Sonstige Schmerzen, z. B. Kopfschmerzen, Migräne, Regelschmerzen

Das Gewebshormon Histamin kommt im menschlichen Körper als Botenstoff vor. Es reguliert beispielweise den Blutdruck, die Produktion der Magensäure und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei manchen Menschen ist der Abbau von Histamin im Dünndarm gestört, da sie zu wenig Diaminoxidase (DAO) besitzen. Dieses Enzym baut Histamin ab. Bei einer Histaminintoleranz spielt allerdings weniger das körpereigene Histamin, sondern vielmehr das über die Nahrung aufgenommene Histamin eine Rolle. [4, 5]

Vor allem gereifte und fermentierte Lebensmittel können Probleme verursachen [4, 5]:

  • Fleischprodukte wie Wurst und Schinken
  • Getrockneter oder konservierter Fisch, Meeresfrüchte, Fischsaucen
  • Hartkäse, Weichkäse, Schmelzkäse
  • Aubergine, Avocado, Sauerkraut, Spinat, Tomaten
  • Alkohol, Essig
Achtung: Der Histamingehalt in diesen Lebensmitteln kann stark schwanken. Oft ist daher nicht vorhersehbar, ob sie Beschwerden verursachen oder nicht.

Verdacht auf Lebensmittelintoleranz – was jetzt?

Wer vermutet, eine Lebensmittelintoleranz zu haben, sollte hausärztlichen Rat suchen. Begleitend ist es sinnvoll, ein Ernährungstagebuch über 3 bis 4 Wochen zu führen. Damit kann oft schon der Auslöser der Beschwerden identifiziert werden.

Besteht ein Verdacht auf eine Laktose- bzw. Fruktoseintoleranz, wird in der Gastroenterologie ein H2-Atemtest durchgeführt. Bei diesem Test trinkt man eine Laktose- bzw. Fruktose-haltige Lösung. Anschließend wird mithilfe der Ausatemluft gemessen, ob und in welcher Menge die Bakterien im Dickdarm das Gas Wasserstoff (H2) produzieren. [3, 4]

Im Gegensatz zu einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz ist die Diagnose Histaminintoleranz schwieriger zu stellen. Nachdem andere Intoleranzen oder Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes ausgeschlossen wurden, wird geprüft, ob sich die Beschwerden bei Einnahme eines Antihistaminikums bessern. [4, 5]

Was hilft gegen die Beschwerden?

Egal ob Laktose-, Fruktose- oder Histaminintoleranz: Die Therapie ist in der Regel eine Ernährungsumstellung, bei der eine Ernährungsfachkraft unterstützen kann. Es wird zunächst getestet, welche Lebensmittel noch vertragen werden. Lebensmittel mit Laktose, Fruktose oder Histamin komplett zu meiden, ist meist nicht nötig – und auch nicht empfehlenswert: Ein Komplettverzicht kann die Lebensqualität einschränken und unter Umständen sogar zu einem Nährstoffmangel führen. [4]

Tipps bei Laktoseintoleranz [6]:

  • Zu vielen Milchprodukten sind als „laktosefrei“ gekennzeichnete Alternativen erhältlich.
  • Butter und viele Hart- und Schnittkäse – wie Parmesan, Gouda oder Edamer – sind von Natur aus laktosearm und werden oft gut vertragen.

Tipps bei Fruktoseintoleranz [7]:

  • Fruktosehaltige Lebensmittel werden in Kombination mit Glukose (Traubenzucker) oder mit Fett, Protein (Eiweiß) und Ballaststoffen besser vertragen.
  • In Kombination mit hohen Mengen an Stärke oder Zucker und Flüssigkeiten verschlechtert sich die Verträglichkeit von Fruktose. Auch der Süßstoff Sorbit kann Beschwerden verstärken und sollte gemieden werden.

Tipps bei Histaminintoleranz [8, 9]:

  • Allgemeingültige Ernährungsempfehlungen sind schwer möglich, da der Histamingehalt von Nahrungsmitteln variieren kann. Daher ist eine individuelle Ernährungsberatung sinnvoll.

Quellen

  1. Zopf Y, Baenkler HW, Silbermann A et al. The differential diagnosis of food intolerance. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 359-369; quiz 369-370; 354 p following 370
  2. Turnbull JL, Adams HN, Gorard DA. Review article: the diagnosis and management of food allergy and food intolerances. Aliment Pharmacol Ther 2015; 41: 3-25
  3. Lomer MC. Review article: the aetiology, diagnosis, mechanisms and clinical evidence for food intolerance. Aliment Pharmacol Ther 2015; 41: 262-275
  4. Deutscher Allergie- und Asthmabund. Nahrungsmittel-Unverträglichkeit. Verfügbar unter: https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-unvertraeglichkeit/; zuletzt abgerufen am 01. Februar 2022.
  5. Tuck CJ, Biesiekierski JR, Schmid-Grendelmeier P et al. Food Intolerances. Nutrients 2019; 11:
  6. Gesundheitsinformation.de. Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit). Verfügbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de/einkaufen-bei-laktoseintoleranz.html; zuletzt abgerufen am 06. Oktober 2023.
  7. Gesundheit.gv.at. Fruktoseintoleranz. Verfügbar unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/nahrungsmittelunvertraeglichkeit/fruktoseintoleranz.html; zuletzt abgerufen am 06. Oktober 2023.
  8. Gesundheit.gv.at. Histaminintoleranz. Verfügbar unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/nahrungsmittelunvertraeglichkeit/histaminintoleranz.html; zuletzt abgerufen am 09. Oktober 2023.
  9. Österreichische Gesellschaft für Ernährung. Histaminunverträglichkeit. Verfügbar unter: https://www.oege.at/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/unvertraeglichkeit-auf-histamin-und-andere-biogene-amine/; zuletzt abgerufen am 09. Oktober 2023.

Autorin dieses Beitrags: Dr. Christina Schüßler, medizinwelten-services GmbH, Stuttgart

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Fachgebiet (Unterfachgebiet):
Innere Medizin (Gastroenterologie)

Körperregion/Organsystem:
Darm, Magen

Jahreszeit:
ganzjährig

Anlass:
/

Medizinischer Bereich:
Ernährung

Schlagwörter:
Atemwegsbeschwerden, Bauchschmerzen, Blähungen, Darm, Darmbakterien, Durchfall, Erbrechen, Ernährung, Ernährungstagebuch, Fruchtzucker, Fruktose, Gastroenterologe, Hautreaktion, H2-Atemtest, Hausarzt, Histamin, Krankenkassen, Kopfschmerzen, Kreislauf, Laktase, Laktose, Lebensmittelintoleranz, Magen, Milchzucker, Übelkeit, Unverträglichkeit